Bleistiftzeichnung: Blindenführhund

Hund & Halter – für Jäger unerwünschte Störenfriede!

Nordenham – Wie die Kreiszeitung Wesermars in ihrer Ausgabe vom 07.09.13 berichtet, fordert der Kreisjägermeister, Eckard Busch, einen ganzjährigen Leinenzwang für das Hundeauslaufgebiet im Bauabschnitt III des Seenparks zwischen Coldewärf und Blexersande.

Sollte dieser Forderung stattgegeben werden, hätte das auf die artgerechte Hundehaltung in Nordenham fatale Folgen. Denn bei dem Areal handelt es sich um die einzige Freilauffläche für ca. 1800 Hunde, die die Anforderungen an ein Hundefreilaufgebiet weitestgehend erfüllt.

Schon seit Entstehung des Hundeauslaufgebiets intervenieren einige Mitglieder der Nordenhamer Jagdgenossen massiv gegen den Freilauf von Hunden im Seenpark.

Nachdem das Areal ca. 4 Jahre lang ohne etwaige Vorkommnisse von den Hundehaltern, wie von Politik und Verwaltung zugesichert, ganzjährig genutzt werden konnte, gelang es den Jägern dafür zu sorgen, dass die Hundefreunde ihre Tiere dort während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit für 3,5 Monate nur noch an der Leine ausführen durften. Wer um die fehlenden Auslaufmöglichkeiten im Nordenhamer Stadtgebiet und die Bedeutung der artgemäßen Bewegungsbefriedigung von Hunden weiß, wird die Widrigkeit dieses Zustands nachvollziehen können.

Wie in der Vergangenheit auch, stützen die Jäger Ihre Forderung auf angebliche Beobachtungen von Wild hetzenden Hunden, der hiermit verbundenen Straßenverkehrsgefährdung und das Bedürfnis, angeblich im besagten Areal ansässige besonders schützenswerte Tierarten vor den Hunden sichern zu wollen.

Jedoch gibt es weder Dokumentationen über entsprechende Vorfälle noch Anzeigen gegen die Hundehalter der vermeintlichen wildernden Hunde. Auch eine eventuelle Straßenverkehrsgefährdung hätte längst ausgeräumt werden können, hätten die Jäger dem Antrag des Bau- und Umweltausschusses im Jahre 2005, einen Wildschutzzaun entlang der B 212 zu erreichten, nicht eine rigorose Absage erteilt. Und nicht zuletzt haben unabhängige fachlich qualifizierte Naturschützer den Hundefreunden in zwei Begehungen des Areals versichern können, dass dort keine besonders geschützten Arten ansässig sind und somit auch nicht durch frei laufende Hunde gefährdet werden können.

Auch eine Rechtsgrundlage für diese Forderung ist nicht ersichtlich. Denn ausweislich der Berichterstattung der Wesermarsch-Zeitung in der Ausgabe vom 07.03.92 „Seenpark-Erweiterung noch in diesem Jahr“ sowie dem Bauplan (Zeichn. Nr. 102/66.2-90) des Tiefbau- u. Bauordnungsamtes der Stadt Nordenham von 09.08.90 wird das Bauvorhaben (Anm.: Seenpark) als „Freizeitgelände an der B 212“, „Parkanlage“ und „Naherholungsgebiet“ deklariert. Auf der Zeichnung selbst findet sich in großen Lettern die Bezeichnung „Freizeitpark Nordenham“. Insofern handelt es sich beim Seenparkgelände unstrittig um eine Park- bzw. parkähnliche Anlage. Für derartige Anlagen gilt gemäß NWaldLG der Leinenzwang für Hunde in der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit nicht. Und schon gar nicht außerhalb dieser Zeit.

In Ermangelung objektiver, belastbarer Begründung sowie fehlender Rechtsgrundlage dürfte prinzipiell damit zu rechnen sein, dass dieser völlig unverhältnismäßigen Forderung eine Absage erteilt wird. Für die Nordenhamer Hundefreunde heißt es jetzt abwarten und hoffen, dass die Zuständigen in Kommunalpolitik und Verwaltung sich durch den Druck der Jagdlobby nicht irritieren lassen, den Sachverhalt genauso einschätzen und eine faire Entscheidung treffen.

Thomas Henkenjohann, September 2013

Bericht der Kreiszeitung Wesermarsch vom 07.09.2013 >>

Offener Brief an den Kreisjägermeister E. Busch >>