Kastration

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Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten. (Christian Morgenstern)

Bleistiftzeichnung: French Bulldog

                          © Birgit Lemke

Was mich dazu bewegt dem Thema Kastration des Hundes eine gesonderte Rubrik zu widmen:

Das Thema Kastration wird nicht nur häufig äußerst emotional diskutiert, sondern in sehr vielen Fällen leider auch, ohne dass man sich hinreichend mit den diesbezüglichen Konsequenzen, Risiken und rechtlich fixierten Voraussetzungen befasst hätte. Eventuell ist Letzteres auch die Ursache dafür, dass in der Regel die Emotionen die Basis für diesbezügliche Diskussionen bilden.

Auffällig ist, dass sehr viele Hundehalter nicht etwa medizinische Gründe anführen, die sie zur Kastration ihrer Hunde veranlassten oder aber gegenwärtig über einen solchen Einriff nachdenken lassen, sondern die Motivation hierzu vielmehr in dem Wunsch nach erleichterten Haltungsbedingungen (z.B. Blutungen und das Nachstellen von Rüden während der Läufigkeit, das Streunen des Rüden, Dominanz) entstammt. Die Anzahl von Tierärzten, die die Halter ihrer Patienten nicht entsprechend oder sogar falsch aufklären und Kastrationen ohne die erforderliche medizinische Indikation durchführen, muss dementsprechend relativ groß sein.

Erschreckend groß ist auch die Anzahl derer, die glauben, dass die Kastration ein Allheilmittel gegen unerwünschte Verhaltensweisen (z.B. unangemessene Aggression gegen Artgenossen) darstellt oder der Prävention gegen etliche Erkrankungen dient. Dabei sind vielen Hundehaltern die Risiken und Nebenwirkungen, die durch oder im Rahmen eines solchen Eingriffs entstehen (können), überhaupt nicht bekannt und es mangelt ihnen somit an der Möglichkeit, dass Für und Wider einer Kastration sorgfältig und insbesondere zum Wohle des Tieres gegeneinander abzuwiegen.

Bleistiftzeichnung: Pudel

         © Birgit Lemke

Reichlich kurios erscheint, dass sehr viele der konsequenten Befürworter der Kastration in Kreisen anzutreffen sind, in denen die Amputation der Geschlechtsorgane schon seit Jahr und Tag routinemäßig praktiziert wird, dass Kupieren von Hunderuten und –ohren hingegen (völlig zutreffend) als Verstümmelung des Hundes betrachtet und ein striktes Verbot unterstützt wurde. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Macht der Gewohnheit die gedankliche Auseinandersetzung überflüssig erscheinen lässt und man überhaupt nicht mehr bewusst wahrnimmt, was die Kastration tatsächlich bedeutet.

Schon seit einigen Jahren wird nun auch hier bei uns in Deutschland die Frühkastration bei Hunden praktiziert. Glaubt man den Worten derer, die diesen Eingriff vor der Geschlechtsreife empfehlen und praktizieren, so soll er einen noch besseren Schutz vor Erkrankungen wie z.B. Mamatumoren bieten. Verschwiegen bleibt jedoch zu oft, dass Hunde, die in einem solch zarten Alter kastriert werden, in ihrer Entwicklung so enorm beeinträchtig werden, dass sie sowohl körperlich als auch geistig nie die Reife eines erwachsenen Hundes erreichen.

Bleistiftzeichnung: Tim & Sheila

                    © Birgit Lemke

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass es sich bei meiner Person keineswegs um einen militanten Gegner der Kastration handelt. Auch will ich diejenigen, die die Kastration schon jahrzehntelang routinemäßig praktizieren, nicht an den Pranger stellen. Mein Beweggrund zur Eröffnung einer gesonderten Rubrik zum Thema Kastration von Hunden besteht vielmehr darin, dass die Kastration zunehmend als lapidarer und unter dem Aspekt der menschlichen Bequemlichkeit selbstverständlich legitimer Eingriff dargestellt und betrachtet wird. Mit den nachfolgenden Beiträgen möchte ich deshalb zur Diskussion und sorgfältigen Information anregen und erreichen, dass die Kastration mit allen ihren Risiken und Nebenwirkungen als das wahrgenommen wird, was sie ist: Eine Amputation nach § 6 Tierschutzgesetz, für die es einer tiermedizinischen Indikation bedarf und deren Durchführung ausschließlich dem Wohle des Tieres dienen soll.

Es wünscht Ihnen eine interessante und zur Diskussion anregende Unterhaltung,

Ihr Team von in-sachen-hund.de

 

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Die Kastration beim Hund – Ein Paradigmenwechsel

Von Ralph Rückert, Tierarzt, 16.10.2014

Ich gehöre zu einer Generation von Tierärzten, der beigebracht wurde, eher beiläufig und ohne großes Nachdenken alles zu kastrieren, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Für einige Tierarten ist das auch nach wie vor der einzig gangbare Weg. Katzen beiderlei Geschlechts werden nun einmal erst durch die Kastration zu Haustieren. Auch Kaninchen und einige Nager können unkastriert eigentlich nicht artgerecht gehalten werden. Beim Hund waren wir aber bezüglich der Kastration nie in einer echten Zwangslage. Man kann mit entsprechendem Aufwand selbstverständlich intakte Rüden und Hündinnen völlig artgerecht halten. Andere Gründe waren ausschlaggebend: Die Prophylaxe verschiedener Erkrankungen, verhaltensmedizinische Probleme und die generelle Erleichterung der Haltung für den Besitzer. Den Vorteil der Unfruchtbarmachung hat man eher nebenbei mitgenommen. Wir lebten in der Überzeugung, dass wir den Hunden auf jeden Fall etwas Gutes tun. Diesbezüglich wird uns aber nun gerade der Teppich unter den Füßen weggezogen! Wenn Sie es irgendwo laut krachen hören, könnte das der Aufprall unseres kollektiven tiermedizinischen Hinterns auf dem Boden sein. (mehr …)

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Die Kastration des Hundes

Eine Information für Hundefreunde und eine Anregung zur kritischen Auseinandersetzung

Eigener Beitrag 08/2014

Die Kastration ist ein schwerwiegender Eingriff in die Unversehrtheit und das Leben des Hundes. Handelt es sich hierbei doch um die Amputation von inneren Organen, die für die Steuerung des Hormonhaushaltes von fundamentaler Bedeutung sind. Durch die Entnahme/Ausschaltung hormonproduzierender Organe findet zwangsläufig eine Manipulation des Hormonsystems statt, die sich nachhaltig in vielfältiger und z.T. verheerender Weise auf die Gesamtkonstitution des Tieres (Gesundheit, Verhalten, Kommunikation etc.) auswirkt. Schon durch den operativen Eingriff, der bei der Hündin wesentlich massiver ausfällt als beim Rüden, ergeben sich neben dem allgemeinen Narkoserisiko vielfältige Risiken. WEHREND (2006) ermittelte einen Anteil von 2% der jungen, gesunden Hündinnen, bei denen es während der Operation zu Komplikationen kam. Andere Studien sprechen von 7,3%(4). (mehr …)

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KASTRATION und Verhalten beim Hund

Reizthema Kastration

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Sophie Strodtbeck & Udo Gansloßer

Verlag: Müller Rüschlikon;
Auflage: 1 (27. Oktober 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3275018205
ISBN-13: 978-3275018208

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen? Diese Frage stellt sich irgendwann fast jeder Hundehalter und so sieht er sich konfrontiert mit einer ganzen Reihe weiterer Fragen: Was spricht für eine Kastration, was dagegen? Wann sollte der Eingriff erfolgen? Wie läuft er ab? Mit welchen Komplikationen muss gerechnet werden? Wie verändert sich der Hund? Wird er dick und faul? Sämtliche Antworten auf diese und viele weitere Fragen zu einem der unter Hundehaltern am heißesten diskutierten Themen liefern die Autoren in dieser Neuerscheinung.

Anm. von in-sachen-hund.de: Dieses Buch, sowie das nachstehende von Frau Dr. Niepel, sollte jede(r) verantwortungsvolle Hundefreund/in gelesen haben, bevor sie/er sich für den schweren Eingriff (die Kastration ihres/seines Hundes) entscheidet.

 

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Die Kastration des Rüden aus verhaltensbiologischer Sicht

Tierärztin Sophie Strodtbeck und Verhaltensbiologe Dr. Udo Gansloßer, WUFF 12/2010

Die Geschichte der Kastration des Rüden ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Noch immer hält sich bei vielen Tierärzten, Trainern und Hundehaltern hartnäckig der Glaube daran, dass die Kastration ein chirurgisches Wundermittel bei unterschiedlichsten Verhaltensproblemen darstellt. Doch eine Kastration kann niemals eine vernünftige Verhaltenstherapie ersetzen, und viele Probleme, die mit den Sexualhormonen – in diesem Fall mit dem Testosteron – in Verbindung gebracht werden, stammen aus völlig anderen Funktionskreisen und lassen sich durch eine Kastration überhaupt nicht beeinflussen… (Artikel als PDF-Dokument >>)

 

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Kastration von Hunden unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten

Eigener Artikel, 2007

… Somit dürfte vorstehend schon eine Vielzahl der Gründe, die im Kreise der Hundehalter in vielen Fällen als Anlass für eine Kastration angeführt werden, als tierschutzrechtlich nicht konform abgehandelt sein.

Bleistiftzeichnung: Kuddel

© Birgit Lemke/in-sachen-hund.de

Kommen wir nun zu einem Argument, mit dem landläufig die Kastration als unvermeidbare Maßnahme im Sinne des Tierschutzes begründet wird: Man will hiermit die unkontrollierte Vermehrung/Zucht von Hunden unterbinden bzw. verhindern, dass sich Hundevermehrer der Tierheime bedienen und sich auf diesem Wege kostengünstiges „Produktionsmaterial“ verschaffen. (Artikel als PDF-Dokument >>)

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Kastration des Hundes – kritische Betrachtung aus der Sicht einer Tiernaturheilpraktikerin

Anke Süper – Tiernaturheilpraktikerin, Wuppertal, 26.09.2012

Eine Kastration ist in jedem Fall ein schwerwiegender Eingriff mit weitreichenden Folgen für Menschen oder Tiere, sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtes. (Artikel als PDF-Dokument >>)

 

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Hündin kastrieren?

Dr. Wolf, bekannt aus dem Haustiermagazin „hundkatzemaus“

Bleistiftzeichnung: American Staffordshire Terrier-Hündin Maja

© Birgit Lemke/in-sachen-hund.de

Zu einem Lebewesen gehört nun auch mal sein Geschlecht. Wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man sich lieber ein „Steifftier“ zulegen. Wenn nun doch aus medizinischer Sicht die Notwendigkeit besteht, bei einer Hündin Gebärmutter und Eierstöcke zu entfernen, klagen viele Tierbesitzer einige Zeit nach der Operation darüber, dass die Hündin inkontinent sei.. (PDF-Dokument >>)

 

 

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Sanft & auf Zeit

Thekla Vennebusch, Tierärztin, August 2008

Neu: Kastration ohne Operation

Ein in Deutschland neu zugelassenes Medikament bietet ab sofort eine vollkommen neue Möglichkeit der Kastration beim Hund, die zum einen keiner Narkose bedarf und zum anderen zeitlich begrenzt ist. Bei dem Medikament handelt sich um ein winziges Implantat, das unter die Haut gespritzt wird, ähnlich wie ein Mikro-Chip zur Kennzeichnung. Von dort aus entfaltet das Implantat 6 Monate lang seine Wirkung und sorgt dafür, dass das Tier unfruchtbar ist.

Nach 6 Monaten nimmt die Wirkung ab und das Tier wird wieder zeugungsfähig wie zuvor. Soll die Kastration längerfristig sein – so zeigen jahrelange Erfahrungen aus dem Ausland – ist es ohne Probleme möglich, alle 6 Monate ein neues Implantat zu setzen. Selbst nach mehreren Implantaten sind die Tiere kurze Zeit später wieder voll zeugungsfähig. (Artikel als PDF-Dokument >>)

 

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Kastration – ja oder nein?

Dr. Gabriele Niepel

Wer allen Ernstes behauptet, dass eine unkontrollierbare Fortpflanzung nur durch Kastration zu verhindern sei, der muss sich die Frage stellen, wie viel er von Hundehaltung und Hundeverhalten versteht.

Die Kastration bedeutet eine Amputation und steht, vom Gesetz hergesehen, damit in einer Reihe mit dem Kupieren von Ohren und Ruten. Die Rechtmäßigkeit von Kastrationen müssen im Einzelfall Gerichte prüfen. Tierschutzgesetz §6 – Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres… (Artikel als PDF-Dokument >>)

 

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Kastration als Lösung von Verhaltensproblemen beim Rüden?

Dr. Christiane Quandt, verhaltenstherapeutisch arbeitende Tierärztin, Fredersdorf bei Berlin

Bleistiftzeichnung: English Bulldog

                  © Birgit Lemke

Es gibt wohl kaum eine medizinische Maßnahme im Kleintierbereich, die bei TierärztInnen und Laien so widersprüchliche und emotionale Reaktionen auslöst wie die Kastration von Rüden. Im Gegensatz dazu ist die Katerkastration bei uns vollkommen selbstverständlich. Es gibt nur wenige KollegInnen, die Kater nicht routinemäßig kastrieren.

Auch die Tierhalter sind in der Regel leicht von der Notwendigkeit dieses Eingriffs zu überzeugen. Wenn das bevölkerungspolitische Argument nicht zieht, weil es sich um einen nur in der Wohnung gehaltenen Kater handelt, dann überzeugt doch der Uringeruch des geschlechtsreif gewordenen Tieres im allgemeinen auch die überzeugtesten Kastrationsgegner von den Vorteilen der Operation… (Artikel als PDF-Dokument >>)

 

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