Von Henning Bielefeld

Tretmienen

Langsam stinkt es der Gemeinde gewaltig. Illegal entsorgte Grünabfälle im Neubaugebiet und Hundekot auf Gehwegen sorgen für Ungemach im Ordnungsamt.

Es muss ein ekliger Anblick gewesen sein: Gleich neben einer Beutelstation hat kürzlich ein Hund sein Geschäft erledigt. Pech für sein Herrchen, dass es Zeugen gab. Eine Anzeige war die Folge.

Mit dieser Folge müssen auch andere Bürger rechnen, wenn sie sich nicht an die Sauberkeitsvorschriften halten, sagt Hannes Miek, der Leiter des Ordnungsamtes im Rathaus. Ihm ist seit dem Beginn des Frühjahrs vor allem die unerlaubte Abfallentsorgung ein Dorn im Auge.

Als Schwerpunkte hat er die Konrad-Adenauer-Straße und Mengers Park in Rodenkirchen ausgemacht. Im Neubaugebiet werden gern mal Gartenabfälle und Grasschnitt auf unbebaute Grundstücke geworfen, und auch Mengers Park wird nicht selten als Entsorgungspark für Grünabfall missverstanden.

Hannes Miek macht im Gespräch mit der NWZ unmissverständlich klar, dass die Gemeinde erstens ermittelt und zweitens Anzeigen erstatten wird. Falls aufgrund der unerlaubten Entsorgung eine Rattenplage auftritt, wird die Gemeinde einen externen Fachmann beauftragen und die Kosten auf alle Anwohner umlegen, kündigt Hannes Miek an.

Zudem ärgert es ihn nicht wenig, dass trotz der vielen neuen Beutelstationen immer noch Hundekot auf Gehwegen und Spielplätzen zu finden ist. Schlimmer: Uneinsichtige schrauben gelegentlich sogar die Verbotsschilder ab. „Das setzt aber nicht die Satzung außer Kraft“, sagt Hannes Miek.

Verursacher seien vor allem jüngere Hundebesitzer. Wenn alles nicht helfe, müsse die Gemeinde zur Not die Hundesteuer so lange erhöhen, bis sich weniger Begüterte keinen Hund mehr leisten können, warnt Hannes Miek: „In einigen Städten beträgt die Hundesteuer 400 Euro pro Jahr.“

09.05.2017

Quelle: https://www.nwzonline.de/wesermarsch/wirtschaft/notfalls-hundesteuer-deutlich-erhoehen_a_31,2,4096962285.html

 

Kommentar zum Artikel:

Egoistische, rücksichtslose Chaoten beschädigen das Ansehen des Hundes und bringen eine ganze Interessengemeinschaft in Misskredit

Vor einigen Jahren ist es derselben Kategorie Mensch erfolgreich gelungen den am Kleinensieler Weserstrand eingerichteten Hundebadestrand zu demontieren. Man hielt sich nicht an die Grenzen dieser Einrichtung und hinterließ am gesamten Badestrand zum Leidwesen anderer Erholungsuchender die Hinterlassenschaften seiner Vierbeiner. Insofern richtete sich die damals an die Gemeinde formulierte Kritik aus meiner Sicht an die falsche Adresse.

Nicht der Hund ist das Ferkel!

Obwohl die Gemeinde Stadland angesichts des „Kotproblems“ nun schon seit Jahren eifrig an die Vernunft dieser Kategorie Mensch appelliert und sie durch die Installation von Kotbeutelstationen dabei unterstützt, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner ordnungsgemäß zu entsorgen, zeigt sich der besagte Personenkreis hiervon völlig unbeeindruckt und setzt sein Fehlverhalten uneinsichtig fort. Insofern kann ich den Frust, der sich in der Gemeindeverwaltung und unter den Bürgern inzwischen angehäuft hat, durchaus nachvollziehen.

Es mag die Gemeindeverwaltung in Stadtland kaum trösten, dass sie mit diesem Problem nicht allein dasteht, es ist ein allgemeinbekanntes Phänomen unserer leistungsorientierten Ellenbogengesellschaft – „wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht“. Auch in Nordenham arbeiten einige egoistisch veranlagte, rücksichtlose Menschen unter den Hundehaltern beharrlich daran, die Akzeptanz des Hundes und die der Mensch-Hund-Beziehung nachhaltig zu beschädigen. So lässt man bspw. im Seenpark I, unmittelbar neben dem Hundefreilaufgebiet, seinen Hund trotz Leinenpflicht frei laufen, hinterlässt den Kot auf Wegen und Grünflächen und schert sich nicht um die Befindlichkeiten anderer Parkbesucher. Dieser Kategorie Mensch ist es aber auch völlig egal was die anderen Hundehalter, insbesondere deren Tiere, empfinden, die sich verantwortungsvoll an die bestehenden (wenn auch nicht immer nachvollziehbaren Regelungen) halten. Fairness und Empathie scheinen hier völlig unbekannte Begriffe zu sein.

Insofern erscheint es mir bei allem Verständnis angesichts des aufgelaufenen Unmuts in der Stadländer Gemeindeverwaltung äußerst fraglich, ob es fair und zielführen ist nun alle Hundehalter in Sippenhaft zu nehmen und durch eine pauschale Erhöhung der Hundesteuer die bislang verantwortungsbewussten Hundefreunde die Zeche für die Chaoten zahlen zu lassen?

Wenn wir das könnten, würden wir…

Die Mensch-Hund-Beziehung existiert seit ca. 15.000 Jahren – eine unserer ältesten Traditionen. Der Hund gilt als ältester Freund und treuester Begleiter des Menschen und wird von der Masse unserer Mitmenschen (auch hundeloser) als Mitglied unserer Gesellschaft betrachtet. Dennoch müssen wir Hundefreunde für unsere Tierfreundlichkeit Hundesteuern zahlen, die artgerechte Haltung wird durch immer schärfere Regelungen zunehmend erschwert und es gibt sogar Personen die Hunde derart hassen, dass sie sich zu tödlichen Anschlägen auf die Tiere hinreißen lassen.

Diese Zustände verdanken wir Hundefreunde nicht nur den charakterlich und fachlich ungeeigneten Menschen unter den Hundehaltern, sondern sie sind auch das Resultat des Wegschauens, falsch verstandene Toleranz und Solidarität und mangelnder Zivilcourage – ebenfalls Phänomene unserer Ellenbogengesellschaft. Jeder ist tunlichst darauf bedacht unnötigen „Stress“ zu vermeiden – man will seine Ruhe haben. Aber lässt sich die erwünschte Ruhe wirklich finden, wenn man kritiklos zuschaut, wie andere Liebgewonnenes mit Füßen treten und gefährden?

 

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. (Molière)