Seit Jahren toben sich welt- und naturfremde Bürokraten in unserem Lande zum Thema Hund aus. Ihr blankes Unwissen überLeinenzwang für Katzen natürliche Verhaltensweisen der Tiere bildet das Fundament für absurde Verordnungen, Gesetze und Gerichtsurteile, die die artgerechte Hundehaltung zunehmen erschweren und die Freude an der Mensch-Hund-Beziehung deutlich schmälern. Nun geht es auch den Katzen förmlich an den Kragen. Ein Leinenzwang soll zukünftig dafür sorgen, dass sich naturentfremdete Menschen nicht mehr durch den Stubentiger des Nachbarn belästigt fühlen.

Zum Sachverhalt:

Eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Hessen hatte beschlossen, in ihrer Hausordnung eine Regelung aufzunehmen, nach der Hunde und Katzen nicht mehr frei auf den Gemeinschaftsflächen herumlaufen durften. Dies galt u.a. für Garten, Treppenhäuser, Laubengänge, Kellerbereiche und Tiefgarage. Eine Miteigentümerin jedoch setzte sich für das Recht ihrer Katzen auf freien Auslauf ein und zog vor Gericht.

In erster Instanz stand ihr das Gericht noch bei. Das Amtsgericht Frankfurt a.M. entschied: „Eine Eigentümer-Gemeinschaft kann nicht die Hausordnung dahingehend ändern, dass Katzen anzuleinen sind“. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass ein Leinenzwang das Grundstück nicht vor Dreck bewahre, weil jederzeit auch nicht angeleinte Katzen von Nachbargrundstücken eindringen könnten (Az.: 33 C 2891/14).

Die anderen Eigentümer wollten sich mit dieser Entscheidung jedoch nicht abfinden und legten am Landgericht Frankfurt a.M. Berufung ein. Dieses erklärte in seinem Urteil (Az. 2-09 S 11/15) entgegen der Vorinstanz den Beschluss der Wohnungseigentümerversammlung für wirksam. Nach Auffassung des LG sei hierin ein vernünftiger Kompromiss zwischen den Interessen von Tierhaltern und Nichttierhaltern gefunden worden. Die Haustierhaltung gehöre nach Meinung der Richter nicht zum wesentlichen Inhalt der Nutzung von Wohneigentum. Durch einen Leinenzwang für Hunde und Katzen sei sichergestellt, dass die Eigentümer die Tiere jederzeit unter Kontrolle hätten und dass anderen Eigentümern keine Nachteile entstehen könnten.

Auszug aus dem Urteil:

 […] Durch eine Anleinpflicht werden Belästigungen der übrigen Eigentümer über das bei einem geordneten Zusammenleben unvermeidliche Maß hinaus entgegengewirkt, denn hierdurch wird sichergestellt, dass das Tier in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. So kann sichergestellt werden, dass das Tier bestimmte Bereiche – wie etwa den Spielplatz – nicht betritt oder verunreinigt und im Übrigen sich das Tier in Begleitung einer Person befindet, die jederzeit auf das Tier einwirken kann und etwaige Verunreinigungen unverzüglich beseitigen kann und Störungen, die von dem Tier ausgehen, unterbinden kann. Eine derartige Einflussmöglichkeit wäre nämlich nicht sichergestellt, wenn sich das Tier frei bewegen kann, da gerade bei Katzen keineswegs sichergestellt ist, dass diese zu jeder Zeit optisch von dem Halter überwacht werden und daher eine sofortige Beseitigung von Unrat möglich ist. Dementsprechend werden in der Rechtsprechung entsprechende Regelungen auch einhellig für zulässig gehalten (vgl. nur BayObLG NJW-RR 2004, 1380; NJW-RR 1994, 658 [BayObLG 09.02.1994 – 2 ZBR 127/93]; LG Lüneburg ZMR 2012, 728 auch jeweils für Katzen und Hunde; AG München ZMR 2013, 573 für Hunde).

 […] Ein Anleinzwang auch für Katzen sei nicht mit einem Katzenhaltungsverbot gleichzusetzen, denn es bleibe der Klägerin unbenommen, Hauskatzen in ihrer Wohnung zu halten und sie am freien Auslauf auf dem Grundstück zu hindern. Eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Tieren sei in Hausordnungen oft zu finden. Die Regelung entspreche den Grundsätzen ordnungsgemäßer Verwaltung.

Angesichts einer derartigen „Rechtsprechung“ sehe ich einem Freiflugverbot für Brieftauben mit Spannung entgegen.

Thomas Henkenjohann
in-sachen-hund.de