DER HUND – ältester Begleiter und treuester Freund des Menschen!

LEICHLINGEN/STADLAND – In ihren Bemühungen der Verschmutzung der Stadt durch Hundekot Herr zu werden und uneinsichtige Hundehalter zur Vernunft zu bringen, ließen sich jetzt die Politiker der Stadt Leichlingen bei Köln von ihren Kollegen in den USA inspirieren.

In einigen US-Städten sei es inzwischen gängige Praxis mittels einer Hunde-DNA-Datenbank die Verursacher für diese Art der Verschmutzung zu ermitteln.

Wenn sich diese uneinsichtigen Zeitgenossen unter den Hundehaltern trotz Appellen, Bußgeldern und Kampagnen nicht zur Vernunft bringen lassen, sollten Hundehalter einen Speichelabstrich ihrer vierbeinigen Freunde abgeben. Kosten: 70 bis 80 € pro Hund für die Anlage der Datenbank. Damit könne man eine Datenbank aufbauen, die dazugehörigen Hunde mittels Haufen-Probe ermitteln und deren Besitzer zur Kasse bitten. So der Plan der Leichlinger Politiker.

Zum gleichen Thema sah sich heute angesichts stark zunehmender Beschwerden der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Stadland in der Nordwest-Zeitung dazu veranlasst, den uneinsichtigen Hundehaltern nicht nur mit einer strengen Bestrafung mittels eines Ordnungswidrigkeitsverfahren, sondern sogar mit einem Hundehaltungsverbot im Wiederholungsfall zu drohen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Letzteres wirklich rechtskonform in die Tat umsetzen lässt, würde ich als äußerst gering bezeichnen. Dennoch können uns derartige Vorhaben und Drohungen einen Eindruck darüber vermitteln, wie groß das Unverständnis und die Verzweiflung darüber sein muss, dass sich erwachsene Menschen weder durch sachliche Argumente und gut gemeinte Apelle noch durch Bußgelder von diesem allgemein als unangenehm empfundenen und deshalb ordnungswidrigem Verhalten abringen lassen.

Das Unverständnis dürfte noch zunehmen, wenn man folgenden Sachverhalt in seine Abwägungen einbezieht. Ein Hundekotbeutel kostet 0,018 €. Ein kurzes Bücken und das Aufnehmen des Hundekotes erfordert für einen gesunden Menschen keine nennenswerte Anstrengung. Mit diesem geringen Einsatz ließen sich für Hund und Halter jedoch so viele Sympathiepunkte sammeln, dass sich der Kosten-Nutzenfaktor mit „1+“ bewerten ließe. Sollte dies allein nicht für jeden Hundefreund mehr als genug Motivation sein, die Hinterlassenschaften seines vierbeinigen Freundes ordentlich zu entsorgen?

Angesichts der Diskussionen über Vorratsdatenspeicherung im Zusammenhang mit Terroristen, deren Unterstützern sowie anderen schweren Straftätern und damit verbundenen datenschutzrechtlich relevanten Bedenken, mag der Eine oder Andere angesichts der Einrichtung einer Hunde-DNA-Datenbank im Kampf gegen Tretminen einen verspäteten Aprilscherz vermuten und darüber schmunzeln. Vermutlich deshalb fanden sich diese Informationen auch in der Rubrik „Auch das noch“ in der heutigen Printausgabe der Nordwest-Zeitung.

Auch ich würde gerne Schmunzeln. Dazu bin ich jedoch nicht wirklich in der Stimmung, weil ich mich schon viel zu lange mit den Ursachen beschäftige, die dafür sorgen, dass die Akzeptanz des Hundes in unserer Gesellschaft leidet, dass es in unserem Land immer noch die Hundesteuer gibt und diese ungerechte Abgabe permanent erhöht wird und das man uns in Form von immer schärferen gesetzlichen Reglementierungen sowie einer völlig lebensfremden „Rechtsprechung“ in Sachen Hund zunehmend der Freude, die wir aus der Mensch-Hund-Partnerschaft schöpfen, beraubt.

Unserer Gesellschaft wird aus entsprechenden Fachkreisen hinsichtlich Moral- und Werteverfall schon seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung attestiert. Obwohl darüber allgemeines Bedauern herrscht, sind positive Veränderungen nicht zu vernehmen. Hundehalter sind Teil dieser Gesellschaft und so lässt es sich leider nicht verhindern, dass sich die bedenkliche Entwicklung unserer Gesellschaft auch im Verhalten dieser Interessengemeinschaft widerspiegelt. Hundehalter sind also nicht besonders prädestiniert für egoistisches, rücksichtsloses Verhalten. Womit die Uneinsichtigkeit einiger Zeitgenossen unter den Hundehaltern keineswegs entschuldigt werden soll.

Wenn man etwas besonders wertschätzt, wie z.B. seine Familie, Freunde, Tiere, Sport etc., dann geht man doch auch entsprechend pfleglich damit um (?). So würde zumindest ich denken. Oder würde jemand grob fahrlässig oder gar vorsätzlich den guten Ruf seiner Familie oder den eines guten Freundes gefährden? Wer würde sehendes Auges eine anstößige oder unrechtmäßige Handlung begehen wenn daraus resultieren würde, dass nicht nur er, sondern sämtliche Familienmitglieder, alle Mitglieder der Freundes- Clique oder des Sportvereins hierfür die Konsequenzen tragen müssten?

Sollte es für jemanden, der seinen Hund tatsächlich als vierbeinigen Freund und Familienmitglied wertschätzt und sich selbst der Interessengemeinschaft der Hundefreunde zugehörig und verbunden fühlt, nicht selbstverständlich sein, dass er sich stets so verhält, dass er die inzwischen seit 15.000 Jahren andauernde und einzigartige Mensch-Tier-Beziehung sowie die Interessen der übrigen Hundefreunde nicht gefährdet?

Meiner Meinung nach sollte jeder Hundefreund diese Frage selbstverständlich und ohne zu zögern mit einem JA beantworten.

Die Entwicklung in den letzten 15 Jahre in Sachen Hundehalung hat uns in erschreckender Weise und mit ebensolcher Deutlickeit gezeigt, dass einem Großteil unserer Politiker nicht wirklich an der Beseitigung der Ursachen für Zwischenfälle mit Hunden gelegen ist. Favorisiert werden hier vielmehr populistische Maßnahmen mit placeboartigen Beruhigungseffekt. Der Verwaltungsaufwand zur Ermittlung und konsequenten Bestrafung der tatsächlichen Übeltäter sei zu hoch, sagt man kurz und knapp, um hiermit immer neue verschärfte Reglementierungen aller Hundehalter zu rechtfertigen.

Angesichts dieser Zustände sollten sich alle Hundehalter darüber bewusst werden, dass für das Fehlverhalten der schwarzen Schafe immer die gesamte Interessengemeinschaft (einer Stadt, eines Landes oder sogar bundesweit) die Zeche zahlen muss und insbesondere unsere Tiere, für deren Wohlbefinden wir die Verantwortung tragen, letztendlich die Leidtragenden sind. Denn ausgedehnte Leinenzwänge, Hunde-Mitführungsverbote und zum Teil auch noch ein ungerechtfertigter Maulkorbzwang machen eine artgerechte Haltung des Hundes schon im derzeitigen Ausmaß vielerorts äußerst beschwerlich. Die Hundehalter haben es zu einem nicht geringen Anteil selbst in der Hand, wie sich diese Zustände zukünftig entwickeln: Unser Verhalten in der Öffentlichkeit ist entscheidend dafür, ob wir und unsere Hunde als angenehmer Bestandteil der Gesellschaft empfunden werden oder ob man uns als unangenehmen Störfaktor wahrnimmt und am liebsten in die Wüste schicken würde.

Aber auch die von uns gewählten Volksvertreter könnten durchaus mit einigen Veränderungen positive Akzente setzen. Wenn ich mir anschaue, wie die Politik in unserem Lande mit so machen Problemen umgeht, fühle ich mich häufig an die Abschreckungsszenarien des Kalten Krieges erinnert. Es wird reflexartig eine imposante Drohkulisse geschaffen oder zumindest über die Schaffung einer solchen medienwirksam diskutiert. Angesichts solcher Szenarien stellt sich mir spontan die Frage, ob den Herrschaften nicht bewusst ist, dass auch mit den schärfsten Gesetzen und Verordnungen und noch so hohen Strafandrohungen keine positiven Veränderungen zu erzielen sind, wenn diese inhaltlich sowie sachlich und nicht zuletzt in der Umsetzung lebensfremd sind. So ist es aus meiner Sicht u.a. völlig lebensfremd, wenn durch immer neue und/oder noch schärfere Vorschriften in den für deren Umsetzung zuständigen Behörden ein stetiger Anstieg des Arbeitsaufwandes erzeugt wird und dieser nicht durch entsprechend qualifiziertes Personal kompensiert wird. Zwangsläufig unterliegen so Umsetzung und Ahndung entsprechender Verstöße dem Zufallsprinzip.

Als absolut unverständlich empfinde ich angesichts dieser Umstände die nicht selten geübte Praxis, das bestehende Gesetze verschärft oder gar durch neue ersetzt werden, weil deren Wirkung der Politik nicht hinreichend erscheint. Mit diesen Gesetzen konnte jedoch die angestrebte Wirkung nicht deshalb nicht erzielt werden, weil es ihnen etwa an den geeigneten Instrumentarien gemangelt hätte, sondern aus genau den schon oben genannten Grund: Den zuständigen Behörden mangelte es auch schon in diesen Fällen am erforderlichen Personal, um die in ausreichender Form vorhandenen Instrumentarien erfolgreich anzuwenden. Man dreht sich also ständig im Kreis.

Die vorstehend geschilderten Umstände führen dazu, dass viele Vorschriften seitens der Bevölkerung zunehmend an der erforderlichen Akzeptanz und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltungen an Glaubwürdigkeit und Respekt verlieren. Letztendlich bleiben Gesetze und Verordnungen von denen ein jeder weiß, dass deren Einhaltung ohnehin nicht hinreichend kontrolliert wird und somit das Risiko, bei einem Verstoß die angedrohten Konsequenzen tragen zu müssen, verschwindend gering ist. Und somit entscheiden heute viele Menschen je nach persönlicher Risikobereitschaft, Bequemlichkeit und Spaßfaktor ganz individuell für sich, was legitim ist und was nicht.

Thomas Henkenjohann – in-sachen-hund.de –  29.06.2015