Von Dr. Frank G. Wörner

Schon unvorstellbar lange, vermutlich seit Jahrzehntausenden, wurden unsere steinzeitlichen Jäger von einem anderen Großwildjäger Wolfbeobachtet und begleitet, der nur vordergründig als Konkurrent bezeichnet werden kann. Und dieser andere Jäger war, wie auch unsere steinzeitliche Horde, ebenfalls ein Lebewesen, das die Vorteile eines eigenen überschaubaren Territoriums schätzte, in dem es sich wegen der Kenntnisse des Geländes und seiner potentiellen Beutetiere einfach erfolgreicher jagen ließ, und weiterhin lebte dieser andere Jäger in einem hierarchisch strukturierten Sozialverband, in dem jedes Mitglied eine fest zugewiesene Stellung und eine genau definierte Aufgabe hatte – und somit zum Überleben des gesamten Verbandes beitrug.

Symbiose Mensch-Tier

So waren die Grundbedingungen einer einzigartigen Symbiose zwischen Mensch und Tier von der Natur vorgegeben, die aus dem Wolf den Hund entstehen ließen. Wolfsforscher Erik Zimen (1994) charakterisierte in einer seiner Vorträge den Wolf als ein “ … Tier der Superlative: Kein Tier wurde von Menschen so gefürchtet und gehasst wie der wilde Wolf, keines so geliebt wie der zahme Wolf und sein domestizierter Nachfahr, der Hund.“ – Und daran hat sich bis fast in unsere Tage nichts geändert, erst in allerjüngster Vergangenheit im Zuge eines neuen ökologischen Bewusstseins macht sich auch auf diesem Gebiet ganz allmählich ein Umdenkprozess bemerkbar.

Der Hund wird plötzlich zu einem „Haustier der Sonderklasse“, wie es der Mainzer Zoologe HEMMER einmal definierte (1996). Schwer begreiflich, aber derzeit wendet sich das negative Interesse mehr dem „Hund als Bestie“ zu, ein Hass, der künstlich und willkürlich erweckt und geschürt wurde, initiiert von Züchtern und Haltern gewisser Rassen, erfunden von nach Wählerstimmen schielenden Politikern und breit ausgewalzt von auflagenstarken Boulevardblättern.

Dieser Hass wäre lächerlich, wenn von ihm nicht eine tödliche Bedrohung für die meisten unserer Hunderassen ausginge! Wir wollen hoffen, dass sich hier nicht die einseitige Aufkündigung eines uralten Gesellschaftsvertrages zwischen Mensch und Hund anbahnt, den zwar der Hund immer strikt eingehalten hat, der vom Menschen immer öfter gebrochen und dessen ursprünglicher Sinn bei dem Menschen aber immer mehr in Vergessenheit gerät.

Quelle: WOLF MAGAZIN 2/2001