Eine Information für Hundefreunde und eine Anregung zur kritischen Auseinandersetzung

Eigener Beitrag 08/2014

Die Kastration ist ein schwerwiegender Eingriff in die Unversehrtheit und das Leben des Hundes. Handelt es sich hierbei doch um die Amputation von inneren Organen, die für die Steuerung des Hormonhaushaltes von fundamentaler Bedeutung sind. Durch die Entnahme/Ausschaltung hormonproduzierender Organe findet zwangsläufig eine Manipulation des Hormonsystems statt, die sich nachhaltig in vielfältiger und z.T. verheerender Weise auf die Gesamtkonstitution des Tieres (Gesundheit, Verhalten, Kommunikation etc.) auswirkt. Schon durch den operativen Eingriff, der bei der Hündin wesentlich massiver ausfällt als beim Rüden, ergeben sich neben dem allgemeinen Narkoserisiko vielfältige Risiken. WEHREND (2006) ermittelte einen Anteil von 2% der jungen, gesunden Hündinnen, bei denen es während der Operation zu Komplikationen kam. Andere Studien sprechen von 7,3%(4).

Auch wenn von vielen Tierärzten(innen) zu hören oder zu lesen ist, dass die Kastration des Hundes ein alltäglicher Routineeingriff sei, so handelt es sich hierbei mitnichten um eine Kleinigkeit, sondern es handelt sich nach deutschem Tierschutzgesetz (TierSchG) um eine Amputation. Eine Amputation kann hiernach nicht einfach nach Lust und Laune durchführt werden, sondern es bedarf hierfür einer auf jeden Einzelfall bezogenen medizinischen Indikation. Das dieser Eingriff in die Unversehrtheit des Tieres, in sein Wohlbefinden und sein zukünftiges Leben inzwischen von so manchen Tiermedizinern(innen) routinemäßig praktiziert wird, sollte meiner Meinung nach nicht nur verantwortungsvolle Hundefreunde und/oder Tierschützer zum kritischeren Umgang mit diesem Thema anhalten.

Trotz z.T. drastischer Nebenwirkungen und tierschutzgesetzlicher Einschränkungen wird in Deutschland lustig drauf los kastriert. Angesichts der Ergebnisse der „Bielefelder Kastrationsstudie“ (NIEPEL, 2003) sollten sich jedem wahren Tierfreund/Tierschützer, dem die tierschutzrechtlichen Vorschriften halbwegs bekannt sind, die Nackenhaare sträuben. 30% der Rüden und 64% der Hündinnen wurden kastriert, weil sich die Halter(innen) Erleichterungen in der Haltung ihrer Hunde wünschten. Das heißt im Klartext: Es werden bspw. Hündinnen kastriert, damit sie nicht mehr durch die läufigkeitsbedingten Blutungen den Wohnbereich verschmutzen oder damit man auf Spaziergängen nicht mehr von Rüden belästigt wird. Oder es werden Rüden kastriert, damit sie sich nicht mehr, wie es natur-, art- und wesensbedingt für sie obligat ist, für läufige Hündinnen interessieren bzw. durch diese ablenken lassen. Ist das nicht unglaublich? Haltungserleichterung (Bequemlichkeit) ist kein tierschutzrechtlich legitimer Grund für eine Kastration.

Auch die gesundheitliche Prophylaxe stellt tierschutzrechtlich keine Legitimation für eine Kastration dar. Dennoch wurden in der besagten Studie von 578 Haltern/Halterinnen von kastrierten Hündinnen folgende Gründe für die Durchführung einer Kastration angegeben (Doppelnennungen möglich):

  • Vorbeugung von Gebärmutterentzündungen: 5I%
  • Vorbeugung von Gesäugetumoren: 46%
  • Vorbeugung von Scheinschwangerschaften: 2I%

Das deutet zwangsläufig darauf hin, dass vielen Tierärzten die tierschutzrechtlichen Vorschriften nicht hinreichend bekannt sind oder dass sie über diese profitorientiert großzügig hinwegsehen. Insbesondere der zuletzt benannte Grund „Vorbeugung von Scheinschwangerschaften“, der mit 21% erschreckend oft benannt wird, lässt mich zwangsläufig auf die zweite Variante schließen. Denn es handelt sich bei der Scheinschwangerschaft keineswegs um eine Erkrankung. …

Mit diesem Beitrag möchte ich u.a. den Fragen nachgehen, ob die in Deutschland praktizierte Form der Kastration tatsächlich dem Wohlergehen des jeweils betroffenen Hundes dient, ob die Entscheidungen für eine Kastration tatsächlich auf Basis der erforderlichen Einzelfallprüfung im Rahmen der veterinärmedizinischen Indikation erfolgen, ob die Hundehalter/innen im Vorfeld über die z.T. verheerenden Nebenwirkungen informiert waren bzw. im Rahmen der tierärztlichen Beratung hierüber hinreichend aufgeklärt wurden….

Herausgeber: in-sachen-hund.de Broschüre als PDF-Dokument >>