Jägerschaft über Arbeitsentlastung keineswegs froh

Bleistiftzeichnung: Boxer

        © Birgit Lemke

Wenn man einen Jäger nach der Motivation für sein Tun befragt, erfährt man in der Regel, dass die Jagd keineswegs aus Spaß an der Freud geschieht, sondern dass man sich vielmehr als Naturheger und -pfleger definiert, der nur dort eingreift, wo die Kräfteverhältnisse der Natur aufgrund fehlender Beutegreifer gestört sind.

Nun scheint es so zu sein, dass es der Natur in Butjadingen seit geraumer Zeit gefällt, den Bestand an Hasen schrumpfen zu lassen. Komischerweise ist die Jägerschaft über diese Arbeitsentlastung aber keineswegs froh, sondern findet das – Zitat: „erschreckend“. Vernünftigerweise schießt man daraufhin nur noch 551 Langohren. Das klingt logisch.

Einen Grund für den Rückgang der Population ist von der Jägerschaft (großenteils Landwirte!) schnell ausgemacht: Die dreimal jährlich stattfindende Mahd der Weiden macht den Tierchen den Garaus. Kann man da nicht Hobby und Beruf in Einklang bringen, in dem man während der Mahd vom Trecker aus die Hasen … Nur so als Idee?

Darüber hinaus kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Jäger immer erst nach der Jagd anhand der Opferzahlen wissen, wie viele Hasen es gegeben bat. Täusche ich mich da? Das wäre genauso als würde ich eine angebrochene Colaflasche schütteln, um festzustellen, wie viel Kohlensäure noch drin gewesen wäre, wenn ich sie gleich getrunken hätte.

Des Weiteren sorgen sich die Jäger um Leben und Leben des Rehwildes. Diese undankbaren Geschöpfe ignorieren doch tatsächlich die zu ihrer eigenen Sicherheit an den Straßenrändern angebrachten Reflektoren und finden so vielfach den Verkehrstod. Um den armen Bambis dieses nachweihnachtliche Schicksal zu ersparen, schlägt der Hegeringleiter vor, die Tierchen bereits in der Vorweihnachtszeit zu schießen. Das klingt auch logisch. Nur wer erklärt den übrigen Tieren, dass sie sich nach Weihnachten jetzt nicht mehr vors Auto zu werfen brauchen. Dr. Doolittle?

 Rainer Torkel, Nordenham

 Quelle NWZ, 12.03.2014

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