Bleistiftzeichnung: Mischling

                      © Birgit Lemke

Die Hundebranche macht jährlich einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. Vielleicht ist es inzwischen auch mehr, denn zu dieser Zahl kommt eine gesamtwirtschaftliche Hundestudie, die schon acht Jahre alt ist. Die Zeitschrift „dogs“ vergleicht den ökonomischen Rummel um den Hund mit dem kalifornischen Goldrausch.

Überall seien Start-up-Unternehmer unterwegs, um mit dem Hund und vom Hund reich zu werden. Zum Beispiel gibt es einen Online-Hundefutterhandel, bei dem man Futter bestellen kann, dessen Rezeptur individuell auf die Bedürfnisse des eigenen Hundes ausgerichtet ist.

Jeder Hund bekommt sein Originalfutter, das sich von allen anderen unterscheidet. Wer sich für diese extreme Optimierung der Hundeernährung entschieden hat, wird seine Kinder nicht mehr guten Gewissens in die Schulkantine schicken können. Es ist gut, dass er wahrscheinlich gar keine Kinder hat.

So kann er nicht auf die Idee kommen, sie ebenfalls mit einem maßgeschneiderten Speiseplan zu traktieren. Weder ein Hund noch ein Mensch hält es auf die Dauer aus, jeden Tag optimal ernährt zu werden. Das macht schlaff und stumpfsinnig. Hunde jedenfalls entwickelten ihre erstaunliche soziale Intelligenz durch die tägliche Herausforderung, genügend Nahrung zu erjagen, zu stehlen und zu verteidigen. Sie brauchen wirklich kein Designerfood.

Auch was sonst noch so an „originellen“ Geschäftsideen rund um den Hund zu finden ist, macht mich eher depressiv. Vielleicht fehlt mir jener kapitalistische Frohsinn, der gerade dann ausbricht, wenn Angebot und Nachfrage sich bei komplett Überflüssigem und Unsinnigem, um nicht zu sagen Durchgeknalltem treffen. Zum Beispiel bei einer „Hundewunderbox“ mit Spielzeug und Leckerli. Hundebesitzer können die Box online zusammenstellen und im Abonnement als monatliches Überraschungspaket für ihren Hund beziehen. Fast tröstlich kommt es mir vor, dass ein Münchner Luxushotel für Hunde wohl doch nicht so gut läuft, wie der Investor es sich erhoffte. Offenbar spüren auch sehr begüterte Hundenarren, wo Luxus peinlich wird.

Das Bewundernswerte an Hunden ist, dass sie diese oft übertriebene Fürsorge, die Verhätschelung und Vermenschlichung aushalten. Ihr wichtigster Job in der modernen Gesellschaft ist es nun einmal, Sozialpartner unterschiedlichster Menschen zu sein. Die meisten können das. Wenn ich mit Viko unterwegs bin, treffe ich in der Stadt ausgesprochen selten auf verhaltensgestörte Hunde. Die meisten sind im Umgang untereinander gelassen und instinktsicher. Wenn auch ihre Besitzer das sind, ist alles gut.

  • jung und schön
  • alt und häßlich

Quelle: Eckhard Fuhr, Welt am Sonntag, Artikel vom 19.01.2014