Viko ist es gleichgültig, aber mich bringt es auf die Palme: Im sächsischen Wolfsgebiet ist in der Erschossener WolfNähe von Bautzen auf einer Wiese ein toter Wolf aufgefunden worden. Seine Untersuchung am Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung ergab, dass eine Ladung Schrot die Todesursache war. Der Wolf ist also geschossen worden. Wir wissen nicht, ob der Wolf sofort tot war. Dann hätte sich der Schütze nicht die Mühe gemacht, den Kadaver zu beseitigen. Da denkt man natürlich sofort daran, dass das eine demonstrative Wolfs-Hinrichtung war. Es kann aber auch sein, dass der Wolf auf den Schuss hin noch flüchtete und erst später starb, der Schütze also keine Gelegenheit hatte, seine Tat zu vertuschen. Besser würde das die Sache auch nicht machen.

Man darf wohl vermuten, dass ein Jäger den Schuss auf den Wolf abgegeben hat und nicht irgendeine andere Person. Bewiesen ist es nicht. Trotzdem wird der vierte aktenkundig gewordene illegal geschossene Wolf in der Lausitz aufs Sündenkonto „der Jäger“ gebucht werden.

Ich bin gern dazu bereit, die Jäger gegen den von manchen Wolfsschützern gehegten Generalverdacht in Schutz zu nehmen, sie hätten nichts anderes im Sinn, als die Wölfe wieder auszurotten. In meinem Umkreis gibt es viele Jäger, die wirkliche Wolfsfreunde sind. Jagdleidenschaft und Begeisterung für den Wolf schließen sich nicht aus. Das sehe ich an mir selbst. Wenn die Mehrheit der Jäger so finstere Absichten hätte, wie ihnen von interessierter Seite unterstellt wird, dann wären die Wölfe nicht in so kurzer Zeit so weit gekommen in Deutschland.

Aber dann erschüttert mich doch immer wieder, mit welcher Verstocktheit, latenten Aggressivität, schlichten Dummheit und erschreckenden Ahnungslosigkeit manche Weidmänner dem graubraunen Zuwanderer begegnen. Sicher, der Wolf mischt die Jagd auf und wird sie verändern. Aber seine Rückkehr ist ein natürlicher Vorgang. Man muss sich darauf einstellen.

Mein verehrter Kollege Carl-Albrecht von Treuenfels, der die Wölfe schon seit Jahrzehnten im Auge hat, berichtete kürzlich von einer Wolfssichtung bei Bergen-Enkheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main, die er für glaubwürdig hält. Das wäre eine Sensation.

Viko stammt von der polnischen Grenze und hat seine frühe Kindheit praktisch mit Wolfswitterung in der Nase verbracht. Jetzt kann ich ihm das vielleicht im Hessischen Ried auch bald bieten. Eine Wolfsbot-schafterin gibt es dort schon. Sie hält Vorträge in der Volkshochschule und lädt die Landfrauen zum Heulen ein. Vielleicht machen Viko und ich das nächste Mal mit.

Quelle: Eckhard Fuhr, Welt am Sonntag, Nr. 51, 22.12.2013


Ein weiterer Artikel zu diesem Fall:

Wolfstötung: WWF setzt 10.000 Euro Belohnung aus

Der Landkreis Bautzen hat nach dem Tod eines Wolfes Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Damit wird der Abschuss des Tieres ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Der Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, Frank Meyer, sagte dem MDR Sachsen, bei der Tat handele es sich um keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Die Ermittler müssten nun herausfinden, wer am Fundort des Tieres mit einem Schrotgewehr unterwegs war. Die Polizei habe am Tatort Reifenspuren gefunden. „Ein Fahrzeug hat an dieser Stelle gewendet“, erklärte Meyer.

Der Wolfswelpe war am vergangenen Freitag tot auf einer Wiese bei Hermsdorf in der Gemeinde Lohsa entdeckt worden. Er wurde erschossen. Bei der Obduktion im Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin wurden 31 Schrotkugeln aus dem Kadaver gezogen. Der Welpe wird dem Milkeler Rudel zugeordnet.

WWF setzt 10.000 Euro Belohnung aus

Der Naturschutzverband Nabu verurteilte die Tat auf das Schärfste und prüft ebenfalls, Strafanzeige zu stellen. Nabu-Präsident Olaf Tschimpke sagte, seit 13 Jahren sei der Wolf in Deutschland wieder heimisch. Dieser Abschuss sei die insgesamt neunte bekannte illegale Tötung. „Für eine streng geschützte Art ist das nicht akzeptabel“, sagte Tschimpke. In Sachsen wurden bisher vier Fälle bekannt, drei Mal davon wurde ein Wolf erschossen.

Die Naturschutzorganisation WWF hat nach dem Abschuss des Wolfswelpen eine Belohnung von 10.000 Euro zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. „Illegale Abschüsse von bedrohten Tierarten sind ein Verbrechen und kein Kavaliersdelikt“, erklärte der WWF-Wildbiologe Janosch Arnold in Berlin. Er sieht bei der Verfolgung von Naturschutzkriminalität in Deutschland Nachholbedarf. Während in anderen Ländern Wilderei von Sondereinheiten verfolgt werde, sei in Deutschland zumeist die örtliche Polizei zuständig. Ohne spezielle Ausrüstung und Ausbildung sei die Aufklärung solcher Fälle kaum möglich.

Jäger sollen Unschuld beweisen

Nach Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine streng geschützte Tierart. Seine illegale Tötung kann mit bis zu fünf Jahren Haft oder bis zu 50.000 Euro Geldstrafe geahndet werden. In Sachsen war der Wolf im Jahr 2012 in das Jagdrecht aufgenommen worden. Er ist somit der Jägerschaft unterstellt und trotz ganzjähriger Schonzeit als jagdbare Tierart benannt. Nach Ansicht des Nabu Sachsen ist die gewünschte Akzeptanzsteigerung nicht absehbar. „Der Jagdverband hat eine Bringschuld und sollte sich aktiv auf die Suche nach dem Täter begeben“, forderte Landesvorsitzender Bernd Heinitz. „Wenn der Jagdverband so zum Schutz des Wolfes steht, wie dies gerne verkündet wird, sollte er beweisen können, dass der Täter nicht aus seinen Reihen stammt.“

Zehn Wolfsrudel in Sachsen

Nach Angaben des NABU leben mittlerweile wieder 25 Wolfsrudel in Deutschland. Zuletzt gab es auch Meldungen über Wölfe aus dem Moritzburger Forst bei Dresden. Diese sind aber noch nicht bestätigt. In Sachsen sind derzeit zehn Rudel nachgewiesen.

Artikel vom 19. Dezember 2013

Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/wolf-erschossen100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html