Menschen mit Haustieren leben gesünder – Tierhaltung reduziert die Zahl der Arztbesuche um 18,5 Prozent, senkt die Medikamentenkosten und entlastet unser Gesundheitssystem Menschen mit Haustieren leben gesünder.

Bleistiftzeichnung: Tim & Sheila

                   © Birgit Lemke

Zu diesem Ergebnis kam nicht nur eine Studie des Bundesforschungsministeriums. Besonders alte Menschen profitieren von Tieren auf vielfältige Weise. Das wird auch immer mehr Betreibern von Altenheimen klar.

Die Zahl der Arztbesuche lag bei Menschen ohne Haustiere um 18,5 Prozent höher als bei denen mit Tieren, so das Ergebnis der Studie, bei der 24000 Menschen befragt wurden. In einer anderen Studie aus den USA wird von Einsparungen an Kosten für Medikamente berichtet, die umgerechnet bei vier Euro pro Tag und Person liegen. Untersucht wurden hier Alten- und Pflegeheime, in denen Tiere gehalten werden.

Tiere erlaubt

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Alten- und Pflegeheime, in denen Tiere erlaubt sind – entweder als regelmäßige Besucher mit ihren Besitzern zusammen oder als Eigentum des Hauses selbst. So wie beispielsweise im Senioren- und Pflegeheim Haus Müller. Hier sind nicht nur eigene Tiere ausdrücklich erlaubt. Auch Bewohner ohne eigenes Haustier versorgen die tierischen „Co-Therapeuten“ auf dem weitläufigen Gelände des Hauses. Nicht nur Hunde und Katzen sorgen

Bleistiftzeichnung: Joice

          © Birgit Lemke

hier für Abwechslung und Lebensfreude, auch Papageien, Affen und ein Streifenhörnchen bieten jedem Bewohner im Rahmen seiner körperlichen Verfassung die Möglichkeit, bei der Pflege und Versorgung der Tiere zu helfen. Im Haus Müller weiß man seit Jahrzehnten die Qualitäten der Tiere zu schätzen: Sie sind Beschäftigungstherapeuten, Clowns, Heiz-Körper, Jungbrunnen, Antidepressiva. Tiere im Altenheim agieren als Multitalente. Das, was jeder Tierbesitzer kennt und schätzt, funktioniert auch hier, und auch wenn es nicht immer die eigenen Tiere sind: Tiere steigern die Lebensqualität, ganz unauffällig, nebenbei und trotzdem auch messbar. Wie aber machen Tiere das?

Therapeutische Fähigkeit

Schon seit Jahrhunderten haben Tiere in der Therapie ihren Platz. Katzen wurden in der Antike vor allem bei nervlichen und psychischen Problemen eingesetzt. Bereits im achten Jahrhundert erfüllten Tiere in Belgien therapeutische Zwecke. Im Jahr 1792 gründete der Engländer William Tuke eine Einrichtung für geistig behinderte Menschen, in der die Insassen kleine Tiere, z.B. Kaninchen, Seemöwen, Geflügel und Falken halten konnten. Wissenschaftlich erforscht wird der Einfluss von Tieren auf Gesundheit und Befinden seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Man konnte wissenschaftlich belegen, was man schon lange wusste – dass sich der Umgang mit Vierbeinern positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt.

Doch auch organische Zusammenhänge wurden sichtbar. Vor allem das Herz-Kreislauf-System – in den Industrieländern sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch weiterhin die häufigste Todesursache – beeinflussen Tiere positiv. So wurde festgestellt, dass unter den Patienten, die einen Herzinfarkt mindestens ein Jahr lang überlebten, bedeutend mehr Tierhalter waren. Und die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass man kein eigenes Tier besitzen muss, um diese positiven Effekte erzielen zu können. Auch kurzfristige Kontakte zu fremden Tieren können der Gesundheit gut tun. So wurde nachgewiesen, dass allein die Anwesenheit eines Tieres blutdrucksenkend wirkt, was unter anderem in strapaziösen Situationen getestet wurde.

Geschulte Hilfe

Ein Verein, der sich der „Förderung der gesundheitlichen Auswirkungen von Heim- und Haustieren auf Menschen“ verschrieben hat, ist „Tiere helfen Menschen e. V.“ – eine bundesweite Organisation mit verschiedenen Arbeitsgruppen. Diese initiieren unter anderem Besuchsprogramme mit Tieren in sozialen Einrichtungen. Die geschulten Mitglieder kommen mit ihren eigenen Tieren regelmäßig in Kinder- und eben auch Seniorenheime. Der Verein unterstützt die Einrichtungen auch mit Wissen, wenn sie selber Tiere anschaffen oder die Heime für Tierhaltung zulassen wollen. Die Vereinsmitglieder sind überzeugt: Egal ob vierbeinig, gefiedert oder geschuppt – Tiere helfen den alten Menschen. Wie wissenschaftliche Studien belegen, sogar auf vielfältige Art.

Wohltat für Körper und Geist

Bleistiftzeichnung: Chin. Schopfhund

              © Birgit Lemke

Zum einen ist die positive Wirkung von Tieren bei älteren Menschen physiologischer Natur: Neben der Senkung des Blutdrucks erfolgt durch den Körperkontakt eine Muskelentspannung. Dadurch stellt sich zum einen eine Beruhigung, zum anderen euphorisierende Effekte durch Freisetzung von Beta-Endorphinen und damit Schmerzverringerung ein. Auch eine Stabilisierung des Immunsystems ist damit verbunden. Durch Bewegung an frischer Luft und durch gemeinsames Spielen wird eine allgemeine Verbesserung der Gesundheit erreicht. Daneben laufen aber auch psychologische Prozesse ab: Das emotionale Wohlbefinden wird gesteigert, denn ein Tier nimmt einen so, wie man ist, und urteilt nicht, ob man alt, hässlich, gebrechlich oder vergesslich ist. Die Bestätigung, der Trost und die spontane Zuwendung, die man im Umgang mit Tieren erfährt, lösen Begeisterung aus und reduzieren damit Druck. Die kleinen Freuden des Alltags lassen einen Tiere viel bewusster erleben. Gemeinsamkeit und Zusammensein werden aber nicht nur mit dem Tier erlebt, sondern auch über das Tier. Man kommt wieder leichter und öfter mit den Mitmenschen in Kontakt, denn das Tier liefert Gesprächsstoff.

Besuchstier oder eigenes?

Da sich die positive Wirkung der Heimtierhaltung in den letzten Jahren herumgesprochen hat, setzt sich auch in Deutschland immer mehr durch, was in den USA und Großbritannien längst nichts Außerge-wöhnliches mehr ist: Das eigene Tier zieht mit ins Altenheim oder wird dort erst gekauft. Wer sein Tier mitnehmen will, sollte sich bei den Seniorenanlagen der Umgebung erkundigen. Eine Liste von Altenheimen, die Tierhaltung gestatten, bietet zum Beispiel „Tiere helfen Menschen e. V.“ an oder der Bundesverband Tierschutz. Eine Vorsorge-Vollmacht regelt im Falle von Pflegebedürftigkeit oder Tod den Verbleib des Tieres. Solche Abmachungen geben den Beteiligten Klarheit und Sicherheit. Dann kann man mit seinem Tier den Lebensabend so richtig genießen: Das Gefühl des Gebrauchtwerdens und damit eine gewisse Regelmäßigkeit, zugleich aber auch die Abwechslung und Lebensfreude. Egal ob Alzheimer, Schlaganfall oder Depression – Tiere öffnen Menschen, die in sich versunken sind. Auch wenn wir trotz oder gerade wegen all der Wissenschaft immer noch nicht ganz verstehen, wie sie das nun eigentlich machen.

Bleistiftzeichnung

                          © Birgit Lemke

 

INFOS

Wohin mit dem Tier im Alter? Unter www.thmev.de finden Sie eine Liste von Heimen, in denen Tiere erlaubt sind: Unterschieden wird – nach Postleitzahlen geordnet – zwischen Einrichtungen, in denen Tiere zu Besuch kommen dürfen, und Einrichtungen, in denen Tiere vom Heim oder von den Bewohnern selbst gehalten werden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Der Forschungskreis „Heimtiere in der Gesellschaft“ verschickt die Forschungsergebnisse in Form von Broschüren an Interessierte. Man kann sie auch unter www.mensch-heimtier.de herunterladen. Der Forschungskreis wurde 1988 gegründet und beschäftigt sich insbesondere mit den sozialen Beziehungen zwischen Menschen und Heimtieren.

Beispielhafte Einrichtung

Das Haus Müller in Möhnesee war in Deutschland einer der Vorreiter für Tierhaltung in Senioren- und Pflegeheimen. Im Haus Müller sind Tiere ausdrücklich erwünscht. Wie das funktioniert und was da alles möglich ist, kann man unter www.pflegeheim-mueller.de sehen.

Quelle: Centaur – Rossmann-Kundenmagazin Ausgabe 3/2007, Autorin: Claudia Götz (Artikel als PDF-Dokument >>)