ALTENHEIM  Kontakte entstehen durch das Tier – Ideal bei Demenzkranken

Die Erfahrungen mit tiergestützter Therapie sind positiv. Der Hund muss auf seinen „Einsatz“ vorbereitet werden.

VON BARBARA OBERRAUTER

Bleistiftzeichnung: Boxer

                       © Birgit Lemke

HEMMINGEN – Auch im Altenheim kann es einsam werden: Vor allem Demenzkranke haben es schwer, Kontakt mit ihrer Außenwelt aufzunehmen. Ein Hund kann hier als Kommunikationsmittel wertvolle Hilfe leisten. So wird das Tier zum „Brückenbauer“ zwischen den älteren Menschen und ihrer Umwelt.

„Gerade ältere Menschen haben sehr gute Einstiegsmöglichkeiten über den Kontakt mit Hunden“, berichtet Elke Schmid, Sprecherin der Interessengemeinschaft für tiergestützte Therapien mit Hunden in Hemmingen (Baden-Württemberg). „Wenn kein Kommunikationspartner und auch keine Kraft mehr da ist, neue Beziehungen aufzubauen, dann ist ein Tier eine gute Möglichkeit“, bestätigt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) in Bonn die positive Wirkung von tiergestützter Therapie.

Gearbeitet wird zu zweit: Im Team mit ihrem Herrchen oder Frauchen schaffen Hunde ein entspanntes Gesprächsklima. „Auch die Menschen, die immer nur dasitzen, nichts sagen und vorsichtig in die Gegend schauen, tauen auf, wenn ein Hund zu Besuch kommt. Mittlerweile können wir ihnen sogar ein Lächeln entlocken“, erzählt Petra Hoffmann vom Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde in Soest, die selbst Besuche in Altenheimen macht.

„Der Hund darf sich allerdings nicht so leicht erschrecken und muss es hinneh¬men, wenn man ihn mal un-sanfter anfasst.“ Auch die Rah¬menbedingungen müssen stimmen: „Das geht nur, wenn Institution und Betreuer bereit sind mitzumachen“, sagt Elke Schmid. Außerdem muss der Hund für diese spezielle Aufgabe vorbereitet werden und seinen Spaß an den Besuchen haben. „Im Prinzip sind alle Hunde geeignet, die menschenfreundlich und gutmütig sind und einen gewissen Grundgehorsam haben.“ Entscheidend ist die Chemie zwischen Hund und Hundehalter: „Die Hundebesitzer müssen merken und sehen, wann es ihrem Tier genug ist“, erläutert die Expertin.

Spaziergänge sind sehr beliebt und dienen der Motivation

Auch die menschliche Seite des Teams sollte sich gut vorbereiten: „Man muss sich an die Patienten gewöhnen und sich ein gewisses Grundwissen aneignen, wie man sich verhält und mit ihnen zurechtkommt“, empfiehlt Schmid. Zuverlässigkeit ist ebenso wichtig: „Sie können die Leute ja nicht vertrösten, die brauchen eine gewisse Regelmäßigkeit.“

Bleistiftzeichnung: Blindenführhund

             © Birgit Lemke

Auch der Hund vertraut auf gewisse Rituale, die den bevorstehenden Besuch im Heim ankündigen: „Wir haben einen Einsatzkorb mit schickem Halsband, Spielzeug und Leckerli, und wenn ich diesen Korb nehme, steht mein Hund schwanzwedelnd daneben und freut sich schon“, erzählt Petra Hoffmann aus der Praxis.

Die Besuche werden manchmal auch etwas bunter gestaltet: Elke Schmid empfiehlt ein kleines „Programm“, das auch dem Hund Spaß macht. „Sie können beispielsweise den Hund einen Ball von einem zum anderen schubsen lassen oder sich selbst Spiele ausdenken. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.“ Auch Spaziergänge sind sehr beliebt: Gerade wenn das Gehen und Stehen schon schwer fällt, bewegen sich alte Menschen oft zu wenig. „Wenn man dann mit dem Hund Gassi gehen muss, ist das ein unheimlicher Motivationsverstärker“, sagt Ursula Lenz von der BAGSO.

Aber auch Patienten, die sich nicht mehr bewegen können, haben Vorteile vom tierischen Besuch. „Der Körperkontakt lässt im Alter oft dramatisch nach. Da ist es für Menschen ganz wichtig, ein Lebewesen streicheln zu können und mit diesem Zärtlichkeiten auszutauschen“, so Lenz.

Der Hund, das verbindende Wesen: Über Tiere lassen sich hervorragende Kontakte knüpfen.

Quelle: Nordwest-Zeitung 10.07.2004