Hund als Partner für Kranke. Menschen mit Krankheiten vereinsamen leicht. Ein Tier als Freund kann dabei Wunder wirken. Aus diesem Grund wird Hund Buddy trainiert: Er holt einen Rostocker aus der Isolation.

Bleistiftzeichnung: Am Staff

             © Birgit Lemke

Groß Klein (OZ) Das Dinosaurierküken hat es ihm angetan. Mit flehendem Blick sitzt Buddy vor dem kleinen Wohnzimmertisch und blickt sehnsüchtig auf das Spielzeug aus Gummi. „Nein“, sagt Kai Beier und sieht Buddy ernst an. Doch der hält es nicht aus. Schnapp!, hat er den Dino im Maul und macht sich eilig aus dem Staub.

Buddy soll bald als treuer Gefährte mit Kai Beier durch die Straßen ziehen. „Dann komme ich endlich wieder unter Menschen“, sagt der 34-Jährige. Kai Beier leidet an einer Erbkrankheit mit dem Namen Spinocerebelläre Ataxie Typ III. Dahinter verbirgt sich ein Leiden, das mit Multipler Sklerose zu vergleichen ist, einer Krankheit, an der vor kurzem Beiers Mutter verstarb. Beier hat Probleme, seine Bewegungen zu koordinieren und wird von regelmäßigen Schwindelanfällen heimgesucht. „Geradeaus gehen kann ich schon lange nicht mehr“, sagt er. „Die Leute denken immer, ich bin betrunken.“ Noch ist Beier mit Gehhilfen unterwegs. Wenn die Krankheit fortschreitet, wird er auf den Rollstuhl angewiesen sein. 1997 wurde die Krankheit diagnostiziert. Vorher hatte er unter anderem als Trockenbaumonteur gearbeitet. Damit ist schon lange Schluss. Noch schlimmer: „Meine ganzen Freunde haben sich von mir losgesagt.“

Buddy bringt inzwischen alle möglichen Ersatzspielzeuge ins Wohnzimmer, weil Beier den Gummi-Saurier versteckt hat. Das zweite Mal ist der Hund bei seinem künftigen Herrchen, und die Aufregung ist ihm anzumerken. Der massige Schäferhundmischling läuft aufgeregt hin und her und legt den Kopf in den Schoß von Astrid Ledwina. Nicht weil er dort Schutz sucht, sondern weil an ihrem Gürtel das Täschen mit den Hundekeksen hängt.

Astrid Ledwina bereitet Buddy in ihrer Hundeschule in Cammin auf seine künftigen Aufgaben vor. Er muss lernen, ruhig neben Kai Beier zu gehen und sich nicht loszureißen, wenn andere Hunde kommen. Er muss es aushalten, wenn Herrchen sich in einem Schwindelanfall auf ihn stützt. Zu Hause soll er Schubladen und Türen öffnen. „Aber in erster Linie soll er Partner sein“, sagt Ledwina. Buddy ist vier Jahre alt und lebte im Heim. Keine guten Voraussetzungen, sagt Ledwina, doch von 16 Hunden bestand er als einziger den Wesenstest. Bis Weihnachten will Astrid Ledwina Buddy ausgebildet haben. Und dann heißt es für Kai Beier: mindestens dreimal täglich an die Luft. Gassi gehen. (Artikel als PDF-Dokument >>)

MATTHIAS SCHÜMANN – Freitag, 12. Oktober 2001