Umweltausschuss spricht sich für Prüfung der rechtlichen Lage und der Argumente bis Ende Januar aus – Umdenken bei Verwaltung.

NORDENHAM – Eine endgültige Entscheidung über die Freilaufflächen für Hunde im Stadtgebiet gibt es zwar noch nicht. Das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Nordenharn ist allerdings ein positives Signal für die Hundehalter. Sie sollen im Frühjahr des kornmenden Jahres Gewissheit haben, wo ihre Tiere ohne Leine laufen dürfen, und sie erhalten dabei Unterstützung von der Stadtverwaltung.

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Von den Hundefreunden finanzierte Schilder informieren seit 2006 über die Nutzung als Hundefreilaufgebiet.

Das war freilich nicht immer so. Lange hatte es die Verwaltung abgelehnt, über eine Lockerung des Leinenzwangs im strittigsten Bereich, dem Seenpark III, nachzudenken oder zu prüfen, ob neue Flächen in Frage kommen. „Wir haben keine weiteren Flächen“, sagte Ordnungsamtsleiter Rudolf Müller noch Anfang August. Doch dann folgte ein Antrag der SPD-Fraktion, der den Hundehaltern Klarheit darüber geben sollte, welche Flächen wann genutzt werden dürfen.

Der Antrag wurde nun am Mittwochabend im Umweltausschuss behandelt. Dabei ist auch der Sinneswandel der Verwaltung deutlich geworden: „Wir vertreten diese restriktive ‚Haltung nicht mehr“, sagt der Erste Stadtrat Carsten Seyfarth. Und auch bei der Mehrheit der Fraktionen herrschte Konsens über den Vorschlag der SPD-Fraktion.

„Sehr komplexes Thema“

Der Antrag sieht konkret vor, die Osterfeuerwiese an der Strandallee, das Gebiet zwischen der Kleingartenanlage am Frisiaweg, dem Butjadinger Zuwässerungskanal und Heetweg sowie den Seenpark III als Freilaufflächen für Hunde auszuweisen. Beim Seenpark soll zudem geprüft werden, ob die Anleinpflicht während der Brut- und Setzzeit entfernt werden kann.

Die Mehrheit der Fraktionen sprach sich in der Debatte für eine Prüfung des Antrags aus. Allein Horst Rebmann (FDP) sagte, dass er nach Rücksprache mit der Jägerschaft den Seenpark III als Freilauffläche nicht geeignet halte (1). Olaf Rodenburger (CDU) betonte, dass das Thema sehr komplex sei und man daher noch nicht abschießend entscheiden könne.

Rat folgt Vorschlag

So kam es dann auch. Die Ausschussmitglieder folgten einstimmig dem Vorschlag von Carsten Seyfarth, alle Akteure inklusive der Politik an einen Tisch zu holen, die Argumente zu sammeln und dann eine Entscheidung zu treffen. „Ich sehe derzeit einen Konflikt zwischen Hundehaltern und der Jägerschaft, wir wollen mit dem Gespräch die Fronten aufbrechen“, betonte der Erste Stadtrat. Die Jägerschaft hält den Seenpark III generell als Freilauffläche für ungeeignet und begründet dies mit der Verkehrssicherheit. Wild könne von freilaufenden Hunden auf die angrenzende Bundesstraße 212 getrieben werden und Unfälle verursachen.

Thomas Henkenjohann, der für die Interessen der Hundefreunde eintritt, kann das Vorgehen der Stadtverwaltung nachvollziehen. „Die Stadt will das vorher rechtlieh abklopfen“, sagt er. Er betont, dass es in den letzten 13 Jahren nur einen Verkehrsunfall am Seenpark III gegeben habe, der durch einen freilaufenden Hund ausgelöst wurde. Zudem sei den Hundehaltern, bevor der Seenpark angelegt wurde, versprochen worden, dass das Gebiet als Freilauffläche genutzt werden könne.

Streit um Seenpark III

Bis zum 31. Januar soll die Verwaltung nun die Rechtslage und Argumente prüfen. Dann soll der Umweltausschuss erneut entscheiden und für Gewissheit bei den Hundehaltern sorgen. Streit um Seenpark III Derzeit hat der Seenpark III den Status einer sogenannten freien Landschaft (2). Nach Niedersächsischem Landesrecht dürfen Hunde in solchen Gebieten während der Brutund Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli nur an der Leine laufen. Ob es sich beim Seenpark III allerdings tatsächlich um eine freie Landschaft handelt, ist umstritten. Die Jägerschaft befürwortet diese Einschätzung.Die Hundehalter betrachten das Gebiet als Parkanlage.

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch, Artikel von Marcel Ruge, 25-10-2013

Anmerkung von in-sachen-hund.de:

(1) Wie man angesichts der Stellungnahme „Wildunfälle auf der B 212 – Mögliche Beeinflussung durch freilaufende Hunde im Hundefreilaufgebiet und andere in Frage kommende Ursachen“ und der darin dargelegten Unfallzahlen (geliefert von der Jägerschaft) zu der Auffassung gelangen kann, dass das Hundefreilaufgebiet im Bauabschnitt III des Seenparks wegen angeblicher Straßenverkehrsgefährdung ungeeignet sei, entzieht sich gänzlich meinem Verständnis.

(2) Den Status „freie Landschaft“ erhielt das besagte Areal erst nach ca. 4 Jahren auf Drängen der Jägerschaft. Von 2001 – 2005 konnte das Areal ganzjährig als Hundefreilaufgebiet genutzt werden. Die im Seenparkgelände befindlichen baulichen Anlagen sowie der Bauplan aus dem Tiefbau- und Bauordnungsamt der Stadt Nordenham vom 09.08.90 weisen das Gebiet zweifelsfrei als „Freizeitgelände an der B212“ bzw. „Freizeitpark Nordenham“ aus.

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Artikel aus der Nordwestzeitung Wesermarsch „Hundehalter können Hoffnung schöpfen“ von Jens Milde, 25-10-2013 >>