Vereine und Initiativen wollen Seenpark III ganzjährig freigeben – Widerstand der Jäger, Eckard Busch befürchtet Wildunfälle. Die Hundehalter sehen diese Gefahr nicht.

 Von Jens Milde

Bleistiftzeichnung: Welpen

                      © Birgit Lemke

Nordenham Die Diskussionen um Freilaufflächen für Hunde in Nordenham gehen mindestens bis zur Jahrtausendwende zurück. Silvia Kerney, 2. Vorsitzende des Tiersuchdienstes Wesermarsch, erinnert an ein Versprechen des damaligen Bürgermeisters. Vor dem Hintergrund einer Verschärfung des Leinenzwangs habe Ulrich Münzberg versprochen, dass ein Teil des Seenparks III ganzjährig als Freilaufgebiet für Hunde genutzt werden kann. „Aber seitdem ist nichts passiert“, beklagt Silvia Kerney. Immerhin ist in die Debatte um die Forderung vieler Hundehalter wieder Bewegung gekommen. Nicht nur der Tiersuchdienst, auch der Verein In Sachen Hund, einzelne Hundehalter sowie die SPD und die WIN im Stadtrat fordern, dass der Seenpark III als Hundefreilaufgebiet ausgewiesen wird – und zwar ganzjährig.

 Große Gefahr

Und genau das ist der Haken. Während der Brut- und Setzzeit gilt im Seenpark III eine Anleinpflicht. Vier Monate lang dürfen Hunde dort nicht frei herumlaufen. Kreisjägermeister Eckard Busch fordert sogar ein ganzjähriges Freilaufverbot.

Sein Hauptargument ist, dass Hunde freilebendes Wild auf die Bundesstraße 212 treiben könnten. Das ist aus Sicht von Eckard Busch eine große Gefahr – nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Autofahrer. Mit zwei anderen, von der SPD ins Spiel gebrachten Freilaufflächen, habe er dagegen überhaupt kein Problem. Es geht um die Osterfeuerwiese an der Strandallee und ein Gebiet am Frisiaweg in Atens (die NWZ  berichtete).

Für die Hundehalter ist aber der Seenpark III die ideale Freilauffläche für Hunde. Die Tiersuchdienst-Vorsitzende Heidi Huth-Hinrichs geht dort zwei- bis dreimal am Tag mit ihrem Parson-Russel-Terrier Tony spazieren. Rehe habe sie dort noch nicht gesehen. Es sei dort wegen der vielen Menschen und Hunde viel zu unruhig. Von Wildunfällen, die durch freilaufende Hunde verursacht wurden, habe sie auch noch nichts gehört. Für den Tiersuchdienst ist es zudem zwingend notwendig, dass der Seenpark III zur Bundesstraße mit einem Zaun abgegrenzt wird.

Der Hundehalter Thomas Henkenjohann hält den Seenpark III für das einzige Gebiet in der gesamten Stadt, das als Freilauffläche gut geeignet ist. Er hat den Verdacht, dass die Interventionen der Jäger ausschließlich eigennützig motiviert sind. Außerdem argumentiert, dass es sich bei dem Seenpark III um eine Parkanlage handelt. „Nicht einmal in der freien Landschaft, wo sich im Gegensatz zum Seenpark Unmengen wild lebender Tiere aufhalten, ist vom Gesetzgeber ein ganzjähriger Leinenzwang vorgesehen.“ Thomas Henkenjohann verweist zudem auf mehrere Begehungen mit Experten. Dabei hätten sich keine Hinweise auf besonders schützenswerte Tiere ergeben.

 Durchsichtige Strategie

Thomas Henkenjohann macht zudem deutlich, dass es sich beim Seenpark III nicht um einen Wald, sondern um einen Park handelt. Und das sieht auch Silvia Kerney so. „Die Stadt hat als Eigentümerin das Recht, zu bestimmen, was auf dem Gelände erlaubt ist und was nicht.“ Dass die Jäger mit dem Naturschutz argumentieren, ist aus ihrer Sicht eine durchsichtige Strategie. „Als es um Gewerbeansiedlungen in Blexen, Atens und Friedrich-August-Hütte ging, hat sich kein Jäger zu Wort gemeldet.“ Silvia Kerney sagt, dass die Hundehalter im Gegensatz zu den Jägern keine Lobby in der Stadt haben. Dabei gibt es in Nordenham rund 1800 Hundehalter. „Bei der Hundesteuer bittet die Stadt schnell zur Kasse. Aber es wird nichts für die Hundehalter getan.“ Heidi Huth-Hinrichs sagt: „Es ist ein Armutszeugnis für die Stadt, dass viele Hundehalter weit weg fahren müssen, um ihre Hunde frei laufen zu lassen.“

Artikel vom 17/09/2013 – (Artikel als PDF-Dokument >>)

Quelle: http://www.nwzonline.de/nordenham/hundehalter-kaempfen-fuer-freilaufflaeche_a_9,3,2378911602.html